Dekarbonisierung der Mobilität – Mit welchen Hebeln Europa die Lücken in der Klimazielerreichung verringern kann

Der Klimawandel ist die zentrale Herausforderung unserer modernen Gesellschaft. Das international anerkannte IPCC bezeichnet die Entwicklung als „weit verbreitet, schnell sich verstärkend“ und mahnt, dass der Ausstoß von Kohlenstoffdioxid rasch zu reduzieren sei. Dabei gilt der Verkehrssektor als einer der Hauptemittenten von Treibhausgasen weltweit. Mit welchen Hebeln die Lücken in der Klimazielerreichung im Mobilitätssektor verringert werden können, lesen Sie in den Berechnungen und Ableitungen unserer neuesten Studie.

Mit dem Beschluss des Pariser Klimaabkommens 2015 hat sich die Weltklimakonferenz zu einer Erderwärmung um maximal 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter bekannt. Konkret sollen die globalen CO2-Emissionen bis 2030 um 45 % im Vergleich zum Jahr 2010 sinken und bis 2050 sollen global Netto-Null-Emissionen erreicht werden. Auf Europäischer wie nationaler Ebene wurden diese konkreten Anforderungen durch nationale Langfrist-Minderungsstrategien wie den „European Green Deal“ ergänzt.

So einigten sich die Staatsoberhäupter der EU-Länder auf das verbindliche EU-Ziel, die Treibhausgasemissionen in der EU bis 2030 netto um mindestens 55% gegenüber dem Stand von 1990 zu verringern. Auch im kürzlich unterzeichneten Koalitionsvertrag der „Ampel-Koalition“ in Deutschland sowie im Regierungsprogramm „Aus Verantwortung für Österreich“ findet man die Bekämpfung des Klimawandels und die Einhaltung der Klimaziele von Paris als Kernelement wieder.

Mobilität als Emissionstreiber

Ein starker Fokus in den Bemühungen zur Verringerung der Treibhausgasemissionen liegt auf dem Verkehrssektor. Zwar ist die Mobilität einer der Grundpfeiler der modernen Gesellschaft und Motor der globalen wirtschaftlichen Entwicklung, doch fallen etwa 25 % der Treibhausgasemissionen weltweit auf den Verkehrssektor, wovon ca. 18 % auf den Straßenverkehr entfallen.1 In der EU liegt der Anteil der durch den Straßenverkehr verursachten CO2-Emissionen mit rund 26 % sogar noch deutlich höher.2 Auch für den geografischen Fokus auf Deutschland und Österreich bleibt die Dekarbonisierung der Mobilität eine enorme Herausforderung, da die Mobilität der Bereich mit dem größten Handlungsbedarf auf dem Weg zur Erreichung der EU-Klimaziele ist.

Zielerreichungslücken in der EU, Deutschland und Österreich

Die Zielsetzung seitens der Politik ist ambitioniert. Die Frage, ob die Zielsetzung mit den bisherigen Maßnahmen und Prognosen zur Entwicklung des CO2-Ausstoßes in Einklang zu bringen sind, wurde in der Studie „Dekarbonisierung der Mobilität“ verfolgt. Dabei wurde auf Basis von verschiedenen Datenquellen die Herausforderung der CO2-Reduktion im Verkehr für die EU sowie die EU-Mitgliedstaaten systematisch analysiert und basiert dabei auf folgenden Datengrundlagen:

  1. Gemessene historische Daten zum CO2-Ausstoß des Verkehrssektors
  2. Valide Prognosen zur weiteren Entwicklung des CO2-Ausstoßes
  3. Politische Zielkurven, die mit den Klimazielen im Einklang stehen

Die in der Studie dargestellten Anwendungsbeispiele für die EU, Deutschland und Österreich zeigen deutlich, dass es erhebliche Zielerreichungslücken gibt, die ohne weitere, zielführende Maßnahmen nicht zu schließen sind.

Welche Maßnahmen hierbei als effektive Hebel zur Reduktion der Treibhausgasemissionen in der Mobilität zur Verfügung stünden zeigt die Studie. Folgende drei Hebel wurden identifiziert:

  1. CO2-freie Fahrzeugantriebe
  2. Erhöhung des Besetzungsgrades
  3. Reduktion der Wege

Des weiteren wurde eine Wirkungsabschätzung vorgenommen hinsichtlich der drei Hebel am Beispiel Deutschland:

  1. Mit welchem Anteil von e-Pkws am gesamten Pkw-Bestand in Deutschland wie viel CO2 pro Jahr eingespart werden kann.
  2. Wie sich die Erhöhung des Besetzungsgrades auf die jährliche Reduktion von CO2 auswirkt.
  3. Wie sich die Reduktion der Fahrstrecke auf den jährlichen CO2-Ausstoß auswirkt.

In den kommenden Wochen werden wir das Thema mit Blick auf eine Reihe konkreter Maßnahmen im Mobilitätssektor untersuchen. Wie können neue Mobilitätsdienste den ÖPNV ergänzen? Wie können Wege durch die Digitalisierung öffentlicher Dienstleistungen gespart werden? Welche Rolle spielen regionale Güterverteilzentren, MaaS und die touristische Mobilität?

Oliver Danninger
Oliver Danninger

Associate Partner

Tobias Luksch
Tobias Luksch

Associate Manager

Dominik André
Dominik André

Senior Associate


[1] Statista (2021) – CO2-Ausstoß. Anteil des Verkehrs

[2] Statistisches Bundesamt (2021) – Straßenverkehr: EU-weite CO2-Kohlendioxid-Emissionen seit 1990 um 24 % gestiegen